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Systemische Aufstellungen


Die systemische Aufstellungsmethode* bezeichnet ein Verfahren, durch das komplexe Zusammenhänge und Wechselwirkungen in Systemen (Unternehmen, Organisationen, Teams, Situationen usw.), die logisch-analytisch nur schwierig und mit viel Zeitaufwand nachvollziehbar wären, auf einfache Weise sichtbar gemacht werden können. Hierzu werden Personen als Stellvertreter benannt, im Raum aufgestellt und im Zuge einer Prozessarbeit nach ihrer Wahrnehmung innerhalb des aufgestellten Systems befragt. Dadurch werden das verborgene Wissen und versteckten Informationen, die in einem System bereits vorhanden sind, zugänglich und nutzbar gemacht.

Die Stellvertreter repräsentieren erstaunlich realitätsnah die vorhandenen strukturellen oder Beziehungszusammenhänge und geben konkrete Hinweise auf den eigenen Platz im System, auf die Folgen früherer Ereignisse und die Auswirkungen ihres eigenen Tuns. Auch Aufstellung mit Symbolen, Zetteln etc. sind möglich, aber bei komplexen Problemen entfaltet eine Aufstellung mit Stellvertretern sicherlich die größte Wirkung.

 

Aufgestellt werden können neben sozialen Systemen übrigens auch abstrakte Systeme, wie z.B. Entscheidungs- oder Konfliktsituationen.

 

Systemische Aufstellungen ermöglichen innerhalb kürzester Zeit einen Überblick über eine Ist-Situation zu erhalten. Dabei sind nicht die Analyse und Ursachenforschung Ziel der Aufstellung, sondern die die LÖSUNG! Nicht die Frage nach dem WARUM ist entscheidend („Warum ist die Zusammenarbeit von Vertrieb und Entwicklung so unkoordiniert? oder „Warum hat die Geschäftsleitung so spät auf Veränderungen am Markt reagiert?“), sondern die Frage nach dem WIE ist hilfreich ( „Wie können wir es besser machen?“ oder „Wie müssen wir aufgestellt sein, um schneller auf Veränderungen reagieren, uns am Markt positionieren zu können?“). Der Blick richtet sich also nicht auf das Problem, sondern auf das Ziel bzw. die Lösung. Daher beginnt eine systemische Aufstellung mit der Frage: „Was wollen Sie erreichen?“ oder „Woran werden Sie konkret erkennen, dass sich die Situation verbessert hat?“ Mit dieser konkreten anwendungsbezogenen Ausrichtung kann sich in der letzten Phase einer systemischen Aufstellung, dem „Lösungsbild“, der Stress einer Problemsituation in Energie zum Handeln umwandeln. (K.-P.Horn & R.Brick: Das verborgene Netzwerk der Macht. Systemische Aufstellungen in Unternehmen und Organisationen, 2006)

Aufstellungen ermöglichen außerdem risikofreies Probehandeln und eignen sich hervorragend, alternative Lösungsmöglichkeiten durchzuspielen. Zudem kann „verdeckt“ gearbeitet werden, d.h. häufig müssen weder dem Aufstellungsleiter (Coach) noch den aufgestellten Personen bekannt sein, um welches Thema es genau geht.

 

Typische Fragestellungen für systemische Aufstellungen:

  • Welcher Bewerber (X oder Y) passt besser zu uns?
  • Kommt eine Kooperation mit Firma XY in Frage?
  • Wieso kommt es in bestimmten Abteilungen immer wieder zu Kündigungen?
  • Warum ist die Zusammenarbeit zwischen Produktentwicklung und Vertrieb immer so unkoordiniert?
  • Wie können wir den Kontakt zu den Kunden verbessern?
  • Wie steht es mit Loyalität oder Vertrauen im Unternehmen?
  • Wieso verkauft sich Produkt X so schlecht? etc...



(*Bekannt geworden sind Aufstellungen ursprünglich im therapeutischen Kontext unter dem Begriff Familienaufstellungen nach Bert Hellinger. Die systemischen Aufstellungen stellen eine Weiterentwicklung dieser familientherapeutischen Methode dar, u.a. durch Gunthard Weber,  Insa Sparrer und Mathias Varga von Kibéd.)

Anwendungen

» Verhandlungen vorbereiten
» Führungsstil überprüfen
» Entwicklungen einschätzen
» Innovationen einführen
» Betriebsklima
» Beziehungsklärung
» Umstrukturierungen
» eigenen Platz finden
» System-Störungen erkennen
» und mehr

FALLBEISPIEL aus der Praxis zur Anwendung von systemischen Aufstellungen in Unternehmen.